Markgräfler Bohnerzjaspis

Der Markgräfler Bohnerzjaspis ist ein Jurahornstein, den Eisen gelb und rot gefärbt hat. Er entstand vor rund 155 Millionen Jahren als Kieselknolle im Jurameer, überdauerte die Auflösung des umgebenden Kalks und liegt heute in der Roterde der Bohnerzformation zwischen Müllheim, Schliengen und Kandern. Mit einer Mohshärte von 6,5 bis 7 gehört er zu den harten Materialien. Und er ist der Stein, mit dem meine Werkstatt in Auggen unmittelbar zu tun hat.

Steckbrief

Mineralogie
Zugehörigkeit Hornstein (Silex), Rauracien-Hornstein des Unteren Malm, als Jaspis bezeichnet
Chemische Formel SiO₂, mikrokristallin, mit Fe₂O₃ und FeO(OH) als Farbträger
Mineralklasse Oxide
Kristallsystem trigonal, mikrokristallin bis kryptokristallin
Mohshärte 6,5 – 7
Dichte 2,58 – 2,64 g/cm³
Farbe gelb-rot geflammt bis tiefrot
Strichfarbe weiß bis blass rötlich
Glanz matt im Bruch, nach der Politur Glas- bis Fettglanz
Transparenz undurchsichtig, in dünnen Scheiben am Rand durchscheinend. Selten eine leichte Transparenz bei dünneren Scheibchen 
Bruch muschelig, daher seine Eignung als Werkzeugstein
Spaltbarkeit keine
Bearbeitung in meiner Werkstatt
Schwierigkeitsgrad anspruchsvoll: hart und zäh, aber empfindlich an Rissen und Klüften. Die Sachen kommen oft anders als gewollt, man muss eine gewisse Flexibilität mitbringen.
Sägen Hartmaterial, langsamer Vorschub, sehr anspruchsvoll, Obacht ist geboten, gut kontrollieren ob das material etwas hat. 
Schleifen & Polieren nimmt hervorragende Politur an; die Farbflammung tritt erst im Hochglanz voll hervor
Bohren gut - mittelprächtig bohrbar. Ich empfehle eine hohe Drehzahl bei geringer Vorschubkraft. Je nach Eisengehalt im Jaspis muss man enorm aufpassen, das Wasser muss mit Druck aus dem Bohrer kommen um den Eisenschlamm gut abzuführen zu können, sonst klemmt der Bohrer und bricht. 
Typische Risiken Haarrisse aus der Frostverwitterung, Kalkeinschlüsse, unverkieselte Zonen im Knollen-inneren (Bei automatischen Sägen je nach dem wie der Vorschub funktioniert ein Risiko 
Eignet sich für Flachschliff, Cabochon, Anhänger, Schmuckset, Schlüsselanhänger 

Wie der Bohnerzjaspis entstanden ist

Seine Geschichte hat zwei Kapitel, die durch hundert Millionen Jahre getrennt sind: Erst entsteht die Kieselknolle, viel später bekommt sie ihre Farbe.

Im Jurameer wächst die Knolle

STADIUM 1 Im Jurameer wächst die Knollevor rund 155 Millionen Jahren Meeresspiegel Kieselschwämme: ihr Skelettbesteht aus KieselsäureKalkschlamm, Schicht um SchichtAmmoniten und Fischeim warmen Flachmeer die Nadeln sinken abund lösen sich wieder aufhier wächst die Knolle aus Hornstein heran

Im Oberjura lag das heutige Markgräflerland unter einem warmen, flachen Meer. Am Grund sammelte sich feiner Kalkschlamm, Schicht um Schicht über Jahrmillionen.

In diesem Meer lebten Kieselschwämme, deren Stützskelette nicht aus Kalk bestehen, sondern aus Siliciumdioxid. Wenn sie abstarben, sanken ihre Nadeln in den Schlamm und lösten sich dort im Porenwasser wieder auf. Die gelöste Kieselsäure wanderte durch den weichen Untergrund, bis sie an bestimmten Stellen erneut ausfiel und sich anlagerte.

Dort wuchsen über sehr lange Zeiträume knollige Körper aus dichtem, mikrokristallinem Quarz: Hornstein. Weil sie sich im weichen Schlamm bildeten und nicht in einem Hohlraum, sind sie meist rundlich und haben keine scharfen Kanten. Die winzigen Mikrofossilien, die dabei mit eingeschlossen wurden, verraten bis heute, aus welcher Schicht ein Stück stammt.

Der Kalk löst sich auf

STADIUM 2 Der Kalk löst sich aufvor rund 50 Millionen Jahren tropischer Regen, durchKohlendioxid leicht sauer Kalkstein, der vonoben weggelöst wird Boden und tropischeVegetation darüberDoline: die Mulde,wo der Untergrund nachgab Karstspalte, gefüllt mit Roterde.Die Knollen bleiben liegen.

Rund hundert Millionen Jahre später war aus dem Meeresboden Land geworden, und im Alttertiär herrschte hier ein tropisch-feuchtes Klima.

Regenwasser nimmt auf dem Weg durch Luft und Boden Kohlendioxid auf und wird dadurch leicht sauer. Genau das löst Kalk. Über Jahrmillionen fraß sich dieses Wasser von oben in den Kalkstein und schuf ein Karstrelief aus Spalten, Trichtern und Taschen. An der Oberfläche entstanden Dolinen, also muldenförmige Senken, wo der Untergrund nachgab.

Der Kalk verschwand. Die Hornsteinknollen nicht: Quarz ist gegen diese Art der Verwitterung praktisch unempfindlich. Sie blieben liegen, während alles um sie herum wegsackte, und sammelten sich in den Spalten und Mulden an.

Das Eisen färbt den Stein

STADIUM 3Das Eisen färbt den Stein Schliengen-Formation, Alttertiär noch graufärbt sich fertiger Jaspis Roterde: der eisenroteRückstand des Kalks Kalkstein,was von ihm bliebSpalten führen tiefer Bohnerz: bohnenförmigeEisenerzkonkretionen ein Bohnerzkorn vergrößert,9 bis 15 Millimeter groß

Was der gelöste Kalk zurückließ, war ein zäher, tiefroter Rückstandslehm, die Roterde. Ihre Farbe kommt vom Eisen, das im Kalkstein nur in Spuren steckte und sich beim Lösen immer weiter anreicherte.

In dieser Roterde bildeten sich bohnenförmige Eisenerzkonkretionen, meist zwischen neun und fünfzehn Millimeter groß. Sie geben dem Bohnerz seinen Namen, und bis ins 19. Jahrhundert wurde daraus im Markgräflerland Eisen geschmolzen.

Für den Jaspis ist dieses Stadium das entscheidende. Die Hornsteinknollen lagen über Jahrmillionen in dieser eisengesättigten Umgebung. Eisenoxide und Eisenhydroxide drangen in ihr Porengefüge ein und durchtränkten sie von außen nach innen. Aus dem unscheinbaren grauen Hornstein wurde der gelb-rot geflammte Jaspis. Wo das Eisen nicht hinkam, blieb die weiß-graue Variante zurück. Beide liegen bis heute nebeneinander im selben Lehm.

Die Geologie fasst diese Ablagerungen als Schliengen-Formation zusammen; ältere Literatur nennt sie Siderolithikum oder Bohnerzformation.

Der Pflug bringt ihn ans Licht

STADIUM 4 Der Pflug bringt ihn ans Lichtheute, auf den Äckern um Auggen Ackerkrume, Pflugtiefe etwa 30 cmBohnerzformation Vorbergzone: Reben und Äckervon außen ein brauner,erdverkrusteter Kiesel die Bohnerzformation,eine Pflugtiefe tiefer der Pflug holt jedes Jahrneue Knollen nach obenerst der Anschnitt zeigt Bänderung und Kern

Heute liegt die Bohnerzformation unter den Äckern der Vorbergzone, vielerorts nur eine Pflugtiefe unter der Oberfläche. Jedes Jahr holt der Pflug neue Knollen nach oben.

Von außen sehen sie unscheinbar aus: ein brauner, erdverkrusteter Kiesel, dem man nicht ansieht, was in ihm steckt. Erst der Schnitt zeigt die Bänderung und den Kern. Und weil man einer Knolle von außen nie sicher ansieht, ob sie durchgehend verkieselt ist oder ob Kalkreste und Haarrisse im Inneren stecken, ist der Anschnitt in meiner Werkstatt immer der erste Arbeitsschritt.

Woran man ihn erkennt

Das auffälligste Merkmal ist das Farbenspiel: Die gelb-roten Stücke sind derart markant geflammt, dass sie sich meist gut von anderen Bohnerzhornsteinen unterscheiden lassen. Dazu kommt der muschelige Bruch mit scharfen Kanten, genau die Eigenschaft, wegen der er in der Steinzeit als Werkzeugstein gefragt war.

Verwechseln lässt er sich am ehesten mit anderen südbadischen Silices: dem Muschelkalk-Hornstein vom Schönberg bei Freiburg, dem tertiären Süßwassersilex vom Tüllinger Berg bei Lörrach oder dem Braunjura-Plattensilex aus der Emmendinger Vorbergzone. Wer unsicher ist: Die eingeschlossenen Mikrofossilien sind das verlässlichste Kriterium, sie sind allerdings nicht in jedem Stück vorhanden.

Wo er vorkommt

Die eigentlichen Primärlagerstätten des Jaspis beschränken sich im Markgräfler Land auf den Isteiner Klotz bei Lörrach. Das, was man heute findet, stammt dagegen fast immer aus Sekundärlagerstätten, also aus der umgelagerten Bohnerzformation. Deren Verbreitung zieht sich durch die Vorbergzone zwischen Müllheim im Norden und Efringen-Kirchen im Süden, mit dem Schwerpunkt im Dreieck Müllheim, Schliengen und Kandern.

Auggen liegt mitten in diesem Gebiet. Am Fundplatz „Steinacker“ bei Auggen liegt ein durch Erosion offen zutage tretendes Vorkommen des gelb-roten Bohnerzjaspis. Dieser Platz gilt als einer der ältesten Rohmaterial-Gewinnungsplätze Deutschlands.

Mindestens 27.000 Jahre Nutzung

Steinzeit

Die Funde vom Auggener „Steinacker“ lassen sich in das Gravettien datieren, also in das mittlere Jungpaläolithikum vor etwa 27.000 bis 15.000 Jahren. Aus diesem Material wurden dort Stielspitzen geschlagen; das größte erhaltene Exemplar misst rund acht Zentimeter. Im Magdalénien wanderte der Markgräfler Bohnerzjaspis mit den Jägergruppen weit umher. Einzelne Stücke fanden sich bis zu 300 Kilometer nordwärts am mittelrheinischen Fundplatz Gönnersdorf. In der Jungsteinzeit kam bergmännischer Abbau hinzu: Bei Kleinkems am Isteiner Klotz wurde zwischen etwa 5400 und 2600 v. Chr. regelrecht nach Jaspis gegraben.

Renaissance und Barock

Ab etwa 1600 setzte ein umfangreicher Handel ein, und im 17. Jahrhundert erlebte die Verarbeitung ihre Blütezeit. Freiburg und das benachbarte Waldkirch zählten zwischen ungefähr 1400 und 1800 zu den bedeutendsten Schleifereiorten Europas. Dort entstanden Perlen, Messerhefte, Stockknöpfe und Zierstücke aus Markgräfler Bohnerzjaspis, regelrecht als Massenware. Stadtkerngrabungen in Freiburg haben die Abfälle dieser Werkstätten zu Tausenden zutage gebracht.

Der Stein schaffte es auch an die europäischen Höfe. Kaiser Rudolf II. berief 1601 zwei Freiburger Steinschleifermeister samt sechs Lehrjungen an seinen Hof nach Prag. In den dortigen Werkstätten der Miseroni wurde der Bohnerzjaspis zu Prunkgefäßen verarbeitet: Eine ovale Schale aus gebändertem Bohnerzjaspis aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts steht heute in der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums Wien, ebenso eine Blumenvase von 1678, deren Tulpen aus Bohnerzjaspis, Chalcedon, Achat und Amethyst geschnitten sind. Eine zwischen 1619 und 1623 in Prag gefertigte Tischplatte für Fürst Karl I. von Liechtenstein besteht zu 80 bis 85 Prozent aus farbigem Bohnerzjaspis.

In Florenz kannte man ihn ebenfalls: In den Beständen des Opificio delle Pietre Dure werden die weiß-grauen und gelb-roten Bohnerzjaspisse als „Diaspro d’Alsazia“ geführt. Für die Darstellung von Tulpen und anderen Blüten in den florentinischen Pietra-dura-Arbeiten waren die geflammten Stücke besonders beliebt. Und die Markgrafen von Baden ließen aus ihrem eigenen Oberland Siegelsteine, Tabatièren und Prunkgefäße fertigen, die als diplomatische Geschenke an europäische Höfe gingen.

Bis 1950, dann Stille

Die Edelsteinschleiferei August Wintermantel in Waldkirch, die letzte Schleifmühle des Breisgaus, verarbeitete Markgräfler Bohnerzjaspis noch bis etwa 1950 regulär an ihren großen Sandsteinrädern. Danach wurde es still um das Material.

Ganz verschwunden ist es allerdings nie. In Hach, einem Ortsteil von Auggen, betrieb Fritz Schmidlin eine Schleiferei und trug über Jahrzehnte eine Sammlung zusammen, die heute in seiner Galerie zu sehen ist. Er hat dem Stein außerdem drei Bände gewidmet, in denen er Entstehung, Fundorte und die steinzeitlichen Werkzeuge aus Auggen beschreibt. Ohne diese Arbeit wüsste man über den Bohnerzjaspis deutlich weniger.

Was fehlte, war die laufende Verarbeitung. Genau da setzt meine Werkstatt an.

Bearbeitung in der Mineralien Manufaktur

Bohnerzjaspis ist ein Hartmaterial. Mit 6,5 bis 7 auf der Mohsskala liegt er auf dem Niveau von Achat und Flint, und entsprechend wird er auch abgerechnet: nicht zum Standardtarif, sondern zum Tarif für harte Silikate.

In der Praxis heißt das: Eine Knolle wird zuerst angeschnitten, damit sichtbar wird, was drinsteckt. Von außen sieht man einem Fundstück nicht an, ob es durchgehend verkieselt ist oder ob Kalkreste, unverkieselte Zonen oder Haarrisse aus der Frostverwitterung im Inneren stecken. Erst der Anschnitt zeigt die Flammung, und ob sich der weitere Aufwand lohnt.

Beim Schleifen und Polieren zeigt sich dann die eigentliche Stärke des Materials: Es nimmt eine hervorragende Politur an, und die Farbflammung tritt erst im Hochglanz vollständig hervor. Was auf dem Acker wie ein brauner Kiesel aussieht, kann als Flachschliff tiefrot und goldgelb gebändert sein.

Was ich mit deinem Fundstück machen kann:

Was es kostet, rechnest du dir mit dem Steinbearbeitungs-Rechner selbst aus. Wenn du unsicher bist, ob dein Fund überhaupt Bohnerzjaspis ist: Schick mir ein Foto, ich schaue es mir an.

Aus der Werkstatt

Wie das Material aussieht, wenn es fertig bearbeitet ist, zeigt sich am besten an den Stücken selbst:

Häufige Fragen

Ist Bohnerzjaspis dasselbe wie Bohnerz?

Nein. Bohnerz sind die bohnenförmigen Eisenerzkonkretionen, aus denen früher Eisen geschmolzen wurde. Der Bohnerzjaspis ist der Kieselstein, der zusammen mit ihnen in derselben Roterde liegt und von deren Eisen gefärbt wurde. Der Name kommt also vom Fundzusammenhang, nicht von der Zusammensetzung.

Wo darf ich nach Bohnerzjaspis suchen?

Auf abgeernteten Äckern nach dem Pflügen findet sich am meisten. Aber Äcker haben Eigentümer, frag also vorher. In Naturschutzgebieten und an geschützten Geotopen ist das Sammeln untersagt.

Wie erkenne ich, ob sich ein Stück lohnt?

Ein Anhaltspunkt ist ein frischer Bruch oder eine abgeriebene Stelle: Zeigt sich dort ein dichtes, glasig wirkendes Gefüge, ist das Stück gut verkieselt. Wirkt die Bruchfläche kreidig oder körnig, ist es eher unverkieselter Kalk. Sicher weiß man es erst nach dem Anschnitt.

Kann ich einzelne Fundstücke bearbeiten lassen oder braucht es eine Mindestmenge?

Einzelstücke sind der Normalfall. Die meisten Aufträge sind genau das: ein einziger Stein, den jemand selbst gefunden hat.

Quellen

  • Michael J. Kaiser: Der Markgräfler Jaspis – Einblicke zur (unterschätzten) Kulturgeschichte eines Feuersteins. In: Man and Mining – Mensch und Bergbau. Der Anschnitt, Beiheft 16, Bochum 2003, S. 215–225.
  • Michael J. Kaiser: Bohnerz und Bohnerzgewinnung im Markgräfler Hügelland. In: W. Konold, R. J. Regnath, W. Werner (Hg.): Bohnerze. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2019.
  • Fritz Schmidlin: Bohnerzjaspis. Entstehung – Faszination. Bände I bis III, J. H. Röll Verlag, Dettelbach 2004–2009.
  • Otto Wittmann: Markgräfler Bohnerz-Jaspis in der Florentiner Pietra-dura-Arbeit. Das Markgräflerland 6 (37), 1975, S. 321–322.
  • Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg: Tertiäre Residuallehme und Bohnerzformation.