Rhyolith-Achat

Rhyolith-Achat ist Achat, der nicht in einer Blase aus Basalt gewachsen ist, sondern im Inneren einer Kugel aus Rhyolith, einem hellen, kieselsäurereichen Vulkangestein. Weil diese Kugeln beim Abkühlen sternförmig aufreißen, zeigt der Achat im Anschnitt keine runde Mandel, sondern einen zackigen Stern mit langen Armen. Fachleute sprechen von Lithophysen, im Handel heißen die Kugeln Thundereggs oder Donnereier, früher auch Porphyrkugeln. Eines der bekanntesten deutschen Vorkommen ist die Teufelskanzel am Leistberg bei Oberthal im Saarland. Mit einer Mohshärte von 6,5 bis 7 gehört der Achat zu den harten Materialien, seine Hülle aus Rhyolith ist etwas weicher.

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Wie der Rhyolith-Achat entsteht, am Beispiel der Teufelskanzel

Die Teufelskanzel ist eine Felsenkanzel aus Rhyolith, die bei Oberthal im Landkreis St. Wendel aus einem steilen Waldhang ragt, rund 30 Kilometer südwestlich von Idar-Oberstein. Sie gehört zum Nohfeldener Rhyolith-Massiv, und ihre Geschichte beginnt mit einem Vulkanismus, der das Saar-Nahe-Becken im frühen Perm prägte.

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Zähe Lava voller Gas

STADIUM 1 Zähe Lava voller Gas vor rund 295 Millionen Jahren Ausbruch von kieselreicher Lava Gas sammelt sich in Blasen um die Blasen wachsen Kugeln Kristallfasern strahlen nach außen

Vor grob 295 Millionen Jahren, in der Zeit des Rotliegend, förderten Vulkane im Saar-Nahe-Becken immer wieder Laven und Aschen. Ein Teil davon war rhyolithisch: eine Schmelze mit sehr viel Kieselsäure, die deshalb zäh wie Honig floss und ihr Gas kaum entweichen ließ. In dieser Schmelze sammelte sich das Gas in Blasen, und um diese Blasen begannen feine Kristallfasern strahlenförmig nach außen zu wachsen. So entstanden kugelige Gebilde im Gestein, die Lithophysen, von wenigen Zentimetern bis zu Faustgröße.

Die Kugel reißt sternförmig auf

STADIUM 2 Die Kugel reißt sternförmig auf beim Abkühlen und Schrumpfen kleinere Lithophysen erstarrter Rhyolith Kugel aus strahligen Kristallfasern Schwundriss: ein zackiger Hohlraum

Beim weiteren Abkühlen zogen sich die Kugeln zusammen. Weil ihr Inneres zuletzt erstarrte und am stärksten schrumpfte, riss es auf, und zwar nicht rund, sondern sternförmig, entlang der strahlig gewachsenen Fasern. Zurück blieb in jeder Kugel ein zackiger Hohlraum mit langen Armen, mal schmal, mal breit, nie zweimal gleich. Diese Form gibt später dem Achat seine typische Gestalt.

Achat füllt den Stern

STADIUM 3 Achat füllt den Stern Lage um Lage, über lange Zeit Wasser mit gelöster Kieselsäure Rhyolithkugel als schützende Hülle Chalcedon folgt jeder Zacke innen Restraum mit Quarzspitzen

Sehr viel später, als das Gestein längst erkaltet im Untergrund lag, sickerte Wasser mit gelöster Kieselsäure durch feine Risse in die Kugeln. Im sternförmigen Hohlraum setzte sich die Kieselsäure Lage für Lage als Chalcedon ab, und weil jede neue Lage der vorigen folgt, zeichnen die Bänder jede Zacke des Sterns nach. An der Teufelskanzel sind sie oft grau, braun und hell- bis dunkelblau, seltener gelb oder rot. Reichte die Kieselsäure nicht bis zur Mitte, blieb ein Restraum, in den Quarz, Rauchquarz, Hämatit oder Goethit hineinwuchsen.

Heute an der Teufelskanzel

STADIUM 4 Heute an der Teufelskanzel Leistberg bei Oberthal, Saarland Teufelskanzel: Felsen aus Rhyolith Achatkugeln im Hangschutt aufgesägt: ein Stern aus Achat rötlicher Rhyolith als Rinde

Heute ist der Vulkan längst abgetragen, und der harte Rhyolith steht als Felsen am Hang. Verwittert das Gestein, lösen sich die zähen Achatkugeln heraus und landen im Hangschutt. Von außen sehen sie aus wie unscheinbare, rötlich braune Knollen. Erst der Schnitt zeigt den Stern aus Achat im Inneren.

Gegraben wurde hier schon im 18. Jahrhundert, die Steine gingen zum Schleifen nach Idar-Oberstein. Ein Versuch, das Vorkommen 1882 planmäßig abzubauen, scheiterte. Weil unkontrolliertes Graben den Hang später stark beschädigte, ist das Graben an der Teufelskanzel seit Anfang der 1980er Jahre verboten, und das Verbot wird kontrolliert.

Woran man ihn erkennt

Das auffälligste Merkmal ist die Form der Füllung: ein Stern oder ein unregelmäßiges Gebilde mit Zacken und Armen, umgeben von einer dicken Rinde aus Rhyolith. Die Rinde ist bei den Kugeln von der Teufelskanzel ocker bis rotbraun, rau und oft von hellen Fasern und dunklen Rissen durchzogen. Die Bänder des Achats laufen parallel zu den Zacken, an den Rändern häufig in Violett, Blaugrau und Weiß, innen in warmen Braun- und Honigtönen. Eine Besonderheit der Fundstelle: Viele Stücke leuchten unter langwelligem UV-Licht kräftig grün, was auf eingebaute Uranyl-Ionen zurückgeführt wird.

Verwechseln lässt er sich am ehesten mit Achaten aus Basalt oder Melaphyr, wie sie an der Nahe vorkommen. Diese sitzen aber in rundlichen bis mandelförmigen Hohlräumen ohne Zacken und haben eine dünne, grünliche bis graue Außenhaut statt einer dicken Rhyolithrinde. Auch Geoden sind Hohlkugeln, doch ihre Wand ist meist gleichmäßig dick und ihr Inneres rund statt sternförmig.

Wo er vorkommt

Rhyolith-Achate gibt es überall, wo kieselsäurereiche Vulkanite mit Lithophysen erhalten sind. Weltberühmt sind die Thundereggs aus Oregon in den USA, wo sie sogar zum Staatsstein ernannt wurden, dazu Vorkommen in Mexiko und Australien. In Deutschland liegen die bekanntesten im Saarland und in Thüringen: die Teufelskanzel am Leistberg bei Oberthal im Nohfeldener Rhyolith-Massiv und die Schneekopfkugeln vom Schneekopf im Thüringer Wald.

Die Achate der Teufelskanzel sind meist 6 bis 14 Zentimeter groß. Neben den sternförmigen Füllungen kommen sehr selten auch Stücke mit waagrechter, planparalleler Bänderung vor, sogenannte Lagenachate. Die Felsenkanzel selbst ist als Naturdenkmal geschützt und über den Rötelsteinpfad zu erreichen.

Steckbrief

Mineralogie
Zugehörigkeit Achat (gebänderter Chalcedon) als Füllung von Lithophysen in Rhyolith; im Handel auch Thunderegg oder Donnerei
Fundort im Beispiel Teufelskanzel, Leistberg bei Oberthal, Landkreis St. Wendel, Saarland; Nohfeldener Rhyolith-Massiv, Rotliegend (Perm)
Chemische Formel Achat: SiO₂; Rhyolith: kieselsäurereiches Vulkangestein aus Quarz und Feldspat
Mineralklasse Oxide (Achat)
Kristallsystem trigonal, mikrokristallin; im Restraum auch sichtbare Quarzkristalle
Mohshärte Achat 6,5 bis 7, Rhyolithrinde etwas weicher
Dichte um 2,6 g/cm³
Farbe Achat grau, braun, hell- bis dunkelblau, violettstichig, selten gelb oder rot; Rinde ocker bis rotbraun
Strichfarbe weiß
Glanz Achat nach der Politur Glasglanz, Rinde matt bis seidig
Transparenz Achat in dünnen Bändern durchscheinend, Rinde undurchsichtig
Bruch Achat muschelig, Rinde uneben
Spaltbarkeit keine
Besonderheit viele Stücke der Teufelskanzel leuchten unter langwelligem UV-Licht grün
Bearbeitung
Schwierigkeitsgrad anspruchsvoll: zwei Materialien mit unterschiedlicher Härte in einem Stück, dazu Risse in der Rinde und offene Drusen
Sägen Hartmaterial; die Lage des Schnitts entscheidet, ob der Stern voll getroffen wird oder nur ein Arm
Schleifen & Polieren Achat nimmt Hochglanz an, die weichere Rinde trägt sich schneller ab und braucht eine gleichmäßige Führung
Bohren möglich, Ausbrüche in der Rinde möglich; bei dünnen Scheiben ist ein Biegering die sichere Lösung
Typische Risiken Risse in der Rinde, lose Quarzspitzen im Restraum, ausbrechende Rindenkanten
Eignet sich für Anschnitt als Pärchen, Flachschliff, Scheiben, Anhänger, Cabochon aus dem Achatbereich

Bearbeitungshinweise

Rhyolith-Achat wird nach dem Tarif für harte Materialien bearbeitet. Die Besonderheit liegt darin, dass in einem Stück zwei verschiedene Materialien zusammenkommen: der harte Achat im Inneren und die etwas weichere, oft rissige Rinde aus Rhyolith. Beim Schleifen trägt sich die Rinde schneller ab als der Achat, deshalb ist eine gleichmäßige Führung wichtig, damit die Fläche eben bleibt und die Kanten nicht ausbrechen.

Wichtigster Schritt ist auch hier der erste Schnitt. Er entscheidet, ob der Stern in seiner ganzen Ausdehnung getroffen wird oder nur einer seiner Arme. Wird die Kugel mittig geteilt, entstehen zwei spiegelgleiche Hälften, ein Pärchen. Bleibt innen ein Restraum mit Quarzkristallen, kann man ihn offen lassen, die Spitzen sind allerdings empfindlich.

Was ich mit deinem Fundstück machen kann:

Was es kostet, rechnest du dir mit dem Steinbearbeitungs-Rechner selbst aus. Bist du unsicher, ob deine Knolle ein Rhyolith-Achat ist: Schick mir ein Foto, ich schaue es mir an.

Aus der Werkstatt

In meiner Werkstatt habe ich schon mehrere Rhyolith-Achate von der Teufelskanzel aufgesägt und poliert. Beim ersten Stück unten füllt der Achatstern fast die ganze Kugel aus, mit violetten und blaugrauen Bändern am Rand und honigbraunem Achat im Inneren, genau der Aufbau aus Stadium 3. Beim zweiten Stück ist die Mitte offen geblieben, dort sitzen Quarzkristalle im Restraum.

Aufgesägter und polierter Rhyolith-Achat von der Teufelskanzel mit großem, sternförmigem Achat in ockerfarbener Rinde
Rhyolith-Achat von der Teufelskanzel, aufgesägt und poliert
Rhyolith-Achat von der Teufelskanzel mit offenem Restraum voller Quarzkristalle
Offener Restraum mit Quarzkristallen und rotem Hämatit

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Häufige Fragen

Was ist ein Thunderegg oder Donnerei?

So heißen Kugeln aus Rhyolith oder ähnlichem Vulkangestein, deren Inneres mit Achat, Jaspis, Chalcedon oder Opal gefüllt ist. Der Name stammt aus einer Legende der amerikanischen Ureinwohner in Oregon, nach der Donnergeister sich die Steine im Streit zuwarfen. Mit Eiern haben sie nichts zu tun.

Warum ist der Achat sternförmig und nicht rund?

Weil er einen Hohlraum ausfüllt, der beim Abkühlen der Rhyolithkugel sternförmig aufgerissen ist. Achate aus Basalt füllen dagegen runde Gasblasen und werden deshalb mandelförmig.

Darf ich an der Teufelskanzel selbst sammeln?

Graben ist dort seit Anfang der 1980er Jahre verboten, und das Verbot wird kontrolliert. Die Felsenkanzel ist zudem als Naturdenkmal geschützt. Wer dort wandert, sollte Hang und Felsen in Ruhe lassen.

Warum leuchten manche Stücke unter UV-Licht?

Viele Achate der Teufelskanzel enthalten Spuren von Uran in Form von Uranyl-Ionen. Unter langwelligem UV-Licht leuchten sie deshalb kräftig grün, besonders in Bereichen mit gröberem Quarz.

Kann ich eine einzelne Knolle bearbeiten lassen oder braucht es eine Mindestmenge?

Einzelstücke sind der Normalfall. Die meisten Aufträge sind genau das: eine einzige mitgebrachte Knolle oder Scheibe.

Quellen

  • Teufelskanzel, Leistberg, Oberthal, Saarland. In: agates.click, Fundstellenbeschreibung 2021.
  • Agates of the Teufelskanzel near Oberthal, Saarland, Germany. In: Gems & Gemology, Sommer 2013 (nach Lapis).
  • Rhyolith-Steinbruch Oberthal. In: Naturpark Saar-Hunsrück, Geopunkte Permokarbon.
  • Thundereggs, Lithophysen. In: steine-und-minerale.de, Magazin Grundlagen.
  • Lithophysa. In: Wikipedia, The Free Encyclopedia.