Karneol ist die orange bis rotbraune, durchscheinende Varietät des Chalcedons, also eines sehr feinkristallinen Quarzes. Seine Farbe verdankt er fein verteiltem Eisenoxid. Mit einer Mohshärte von 6,5 bis 7 ist er hart, zäh und ohne Spaltbarkeit, deshalb gehört er seit Jahrtausenden zu den beliebtesten Schmucksteinen. In Deutschland ist Karneol in einer ganz besonderen Schicht zu Hause: in einem uralten Boden aus der Zeit des Buntsandsteins, der zum Beispiel in der Umgebung von Kronach in Oberfranken auf den Feldern zutage tritt.
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Wie Karneol entsteht, am Beispiel Kronach
Viele Achate und Karneole sind in Hohlräumen von Lava gewachsen. Der Karneol aus der Umgebung von Kronach hat eine ganz andere Geschichte: Er stammt aus dem sogenannten Karneol-Horizont an der Grenze zwischen Mittlerem und Oberem Buntsandstein. Diese nur wenige Meter dicke Schicht ist ein fossiler Boden, eine Landoberfläche, auf der vor rund 247 Millionen Jahren über lange Zeit kein neuer Sand abgelagert wurde. Die folgenden Bilder zeigen, wie in diesem Boden Karneol gewachsen ist.
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Roter Sand in einer weiten Ebene
Zur Zeit des Buntsandsteins lag Mitteleuropa auf dem Superkontinent Pangäa, viel weiter südlich als heute, in einem heißen und überwiegend trockenen Klima. Das heutige Deutschland gehörte zu einem großen Senkungsgebiet, dem Germanischen Becken. Flüsse und gelegentliche Schichtfluten verteilten darin gewaltige Mengen Sand. Jedes Sandkorn ist von einem hauchdünnen Häutchen aus Eisenoxid überzogen, schon etwa ein Prozent Eisen reicht für die kräftige rote Farbe. Daher hat der Buntsandstein seinen Namen.
Ein Boden entsteht
Zwischen den Phasen, in denen neuer Sand kam, lagen lange Pausen. In dieser Zeit wurde die Oberfläche zu einem Boden. Regen sickerte ein und löste Stoffe aus dem Sand, in der Hitze stieg das Bodenwasser wieder auf und verdunstete. Dabei schieden sich die gelösten Stoffe im Boden ab: zuerst Karbonat, das als gelbliche Dolomitknollen und harte Krusten erhalten ist, ähnlich wie Kalkkrusten in heutigen Trockengebieten. Typisch für diese fossilen Böden ist außerdem ihre violette Farbe, die erst durch die Bodenbildung entstand.
Karneol wächst im Boden
War die Bodenbildung schon sehr weit fortgeschritten, schied das Bodenwasser auch Kieselsäure aus. Sie lagerte sich zu Lagen und kleinen Kugeln ab, die zu Chalcedon und Karneol erstarrten. Das Eisen aus dem roten Sand färbte den Chalcedon orange bis rotbraun. In manchen Knollen ging das Wachstum weiter: Auf den Karneol folgten weiß gebänderte Achatlagen, und wo in der Mitte ein Hohlraum offen blieb, wuchsen kleine Quarzkristalle hinein. Später wurde der Boden von neuen Schichten begraben, und der Karneol blieb in ihm eingeschlossen.
Heute bei Kronach
Heute liegt der Karneol-Horizont rund um Kronach an vielen Stellen nahe der Oberfläche. Wo er am Hang ausstreicht, verwittert das weiche Gestein, und die harten Knollen bleiben übrig. Nach dem Pflügen liegen sie als Lesesteine auf den Feldern: kleine Knollen und Kugeln mit rotbraunem Karneol, weiß gebändertem Achat und Quarzkristallen. Wer dort sucht, sollte vorher den Eigentümer des Feldes fragen.
Ein zweiter Weg: Karneol in Lavablasen
Karneol kann auch ganz anders entstehen, nämlich in den Gasblasen erstarrter Lava, genauso wie der Achat. Kieselsäurereiche Lösungen wandern durch feine Risse in die Hohlräume und scheiden dort Lage für Lage Chalcedon ab. Ist er eisenhaltig, entsteht Karneol, oft als einzelne Lage zwischen den Achatbändern. Solche Vorkommen gibt es in den alten Lavagesteinen an der Nahe bei Idar-Oberstein, wo Karneol seit Jahrhunderten geschliffen wird.
Woran man ihn erkennt
Echter Karneol ist durchscheinend. Hält man ihn gegen das Licht, leuchtet er orange bis rot, und die Farbe ist meist wolkig verteilt, ohne scharfe Streifen. Seine Oberfläche hat einen Glas- bis Wachsglanz, an Bruchstellen bricht er muschelig. Er ist so hart, dass er Glas ritzt.
Viele Steine, die als Karneol verkauft werden, sind in Wahrheit gefärbter und anschließend erhitzter Achat. Ein Hinweis darauf ist eine gleichmäßig kräftige Farbe mit deutlichen Streifen, die man im Gegenlicht sieht. Sehr ähnlich ist Sarder, der dunkler bis fast schwarzbraun ist; die Grenze zwischen beiden ist fließend. Roter Jaspis sieht ähnlich aus, ist aber undurchsichtig. Gerade unter den fleischroten Steinen aus dem Buntsandstein sind viele eigentlich Jaspis. Bernstein ist viel leichter und weicher, gefärbtes Glas zeigt oft kleine Bläschen.
Wo er vorkommt
Der Karneol-Horizont des Buntsandsteins zieht sich durch weite Teile Süd- und Mitteldeutschlands. Neben der Gegend um Kronach findet man ihn zum Beispiel in Unterfranken am Main, in Thüringen, im Saarland, im Nordschwarzwald bei Pforzheim und auf der Baar. Auch am Hochrhein bis ins Wiesental, nicht weit vom Markgräflerland, ist ein solcher fossiler Boden als Karneol-Horizont bekannt. Weitere deutsche Fundgebiete liegen im Schwarzwald, im Fichtelgebirge, im Odenwald, in der Pfalz bei Bad Bergzabern und in Sachsen um Glauchau.
Auch an den Stränden von Nord- und Ostsee wird Karneol gefunden, meist als kleine Gerölle. Wie die meisten Strandsteine dort kam er mit den Gletschern der Eiszeit aus dem Norden. Für den Schmuckhandel kommt Karneol heute vor allem aus Indien und Südamerika.
Vom Siegelring zur Schleiferei
Perlen aus rotem Chalcedon gehören zu den ältesten Schmuckstücken überhaupt, schon in der Jungsteinzeit wurden sie im heutigen Bulgarien getragen. Im alten Ägypten galt Karneol als Stein des Lebens, er lag auch im Grab des Tutanchamun. In der Industuskultur entstanden vor über 4500 Jahren geätzte Karneolperlen mit weißen Mustern, die bis nach Mesopotamien gehandelt wurden.
Römer und Griechen schnitten Siegel und Gemmen in Karneol, denn heißes Siegelwachs bleibt an ihm nicht haften. Auch Martin Luther besaß einen Siegelring aus Karneol. Der Name geht vermutlich auf das lateinische Wort für die Kornelkirsche zurück, erst später wurde er mit carneus, fleischfarben, in Verbindung gebracht. Schon in der Antike wusste man, dass Erhitzen die Farbe kräftiger und röter macht. Dieses Brennen wurde später auch in den Schleifereien von Idar-Oberstein zur Kunst, das bis heute eines der bekanntesten Zentren für Karneol ist.
Steckbrief
| Mineralogie | |
| Zugehörigkeit | Varietät des Chalcedons (mikrokristalliner Quarz); dunkle Spielart: Sarder |
| Fundort im Beispiel | Umgebung von Kronach, Frankenwald, Oberfranken, Bayern; Karneol-Horizont an der Grenze zwischen Mittlerem und Oberem Buntsandstein |
| Chemische Formel | SiO₂, gefärbt durch Eisenoxid |
| Mineralklasse | Oxide (Quarzgruppe) |
| Kristallsystem | trigonal; mikrokristallin aus feinen Fasern |
| Mohshärte | 6,5 bis 7 |
| Dichte | 2,58 bis 2,64 g/cm³ |
| Farbe | orange, fleischrot bis rotbraun, oft wolkig verteilt |
| Strichfarbe | weiß |
| Glanz | Glas- bis Wachsglanz |
| Transparenz | durchscheinend |
| Bruch | muschelig bis splittrig |
| Spaltbarkeit | keine |
| Besonderheit | Erhitzen macht die Farbe dauerhaft kräftiger und röter |
| Bearbeitung | |
| Schwierigkeitsgrad | gut zu bearbeiten, hart und zäh |
| Sägen | wie Achat ein hartes Material; langsamer Vorschub |
| Schleifen & Polieren | nimmt eine sehr gute Politur an, bis zur optischen Planpolitur |
| Bohren | gut möglich mit Diamantbohrer; bei Rissen mit wenig Druck |
| Typische Risiken | Risse in Knollen und Geröllen, die sich oft erst nach dem Aufsägen zeigen; Hohlräume mit Quarzkristallen |
| Eignet sich für | Anhänger, Schlüsselanhänger, Schmucksets, Scheiben und Flachschliffe |
Einen Karneol am Strand gefunden, geerbt oder aus dem Urlaub mitgebracht? Ich säge, schleife und poliere ihn in meiner Werkstatt in Auggen, als Scheibe, Flachschliff oder fertiges Schmuckstück. Was das kostet, zeigt dir der Steinbearbeitungs-Rechner sofort, die Anfrage ist unverbindlich.
Bearbeitungshinweise
Karneol ist ein dankbarer Stein für die Werkstatt. Er ist hart und zäh, hat keine Spaltbarkeit und nimmt eine sehr gute Politur an. Auf einer optisch plan polierten Fläche spiegelt er so stark, dass jede Lampe und jedes Fenster scharf darin zu sehen ist. Im Gegenlicht leuchtet er dann kräftig orange. Wie ich Flächen so eben poliere und mit dem Probeglas prüfe, steht auf der Seite Optische Planpolitur.
Die größte Gefahr sind Risse. Karneolknollen und Strandgerölle haben oft feine Risse, die von außen kaum zu sehen sind und sich erst nach dem Aufsägen zeigen. Bei einem rissigen Stück entscheide ich nach dem Schnitt, welche Teile die weitere Bearbeitung sicher überstehen. Besonders heikel ist das Bohren, denn eine Bohrung setzt den Stein unter Spannung. Zwischen allen Arbeitsschritten reinige ich die Stücke im Ultraschallbad, damit kein grobes Schleifkorn aus Rissen und Poren in die nächste, feinere Stufe gelangt.
Beim Sägen zählt Karneol wie Achat und Jaspis zu den harten Materialien, der Tarif liegt bei 0,30 € je cm².
- Sägen: Knollen aufsägen, Scheiben schneiden
- Schleifen und Polieren: vom Feinschliff bis zur Hochglanzpolitur
- Bohren: für Anhänger, auf Wunsch mit Biegering
- Zu Schmuck verarbeiten: vom Strandfund zum Anhänger
Den Richtpreis für dein Stück berechnest du im Steinbearbeitungs-Rechner.
Aus der Werkstatt

Dieser Anhänger entstand aus einem kleinen Karneol, den eine Kundin am Strand gefunden hat. Die helle Rinde blieb als natürlicher Rahmen stehen, die Fläche ist optisch plan poliert. Weil die Rückseite des Steins von vielen Rissen durchzogen war, brauchte vor allem das Bohren größte Sorgfalt. Die ganze Geschichte mit Fotos und Videos steht im Werkstattbericht Karneol vom Strand als Schmuckanhänger.
Häufige Fragen
Ist Karneol ein Achat?
Beide sind Chalcedon, also derselbe feinkristalline Quarz. Achat ist gebändert, Karneol ist meist einfarbig orange bis rotbraun und nur schwach oder gar nicht gebändert. Karneol kann aber als Lage in einem Achat vorkommen.
Woher hat Karneol seine Farbe?
Von fein verteiltem Eisen. Eisenoxid färbt ihn rot, Eisenhydroxid eher bräunlich. Wird der Stein erhitzt, wandelt sich das Hydroxid in Oxid um, und die Farbe wird kräftiger und röter.
Wie erkenne ich gefärbten Karneol?
Natürlicher Karneol zeigt im Gegenlicht meist eine wolkige Farbverteilung. Gefärbter Achat hat dagegen oft eine sehr gleichmäßige, kräftige Farbe mit deutlichen Streifen. Sicher bestimmen lässt sich das aber nicht immer mit bloßem Auge.
Wo kann man in Deutschland Karneol finden?
Zum Beispiel als Lesesteine auf den Feldern rund um Kronach in Oberfranken, wo der Karneol-Horizont des Buntsandsteins an die Oberfläche kommt. Kleine Gerölle findet man auch an Nord- und Ostsee. Auf Privatgrund vorher fragen, in Naturschutzgebieten ist das Sammeln untersagt.
Ist Karneol für Schmuck geeignet?
Ja, sehr gut. Mit Mohshärte 6,5 bis 7 und ohne Spaltbarkeit ist er robust genug für Schmuck, der täglich getragen wird, und er lässt sich auf Hochglanz polieren.
Quellen
- Achate aus Unterfranken und Umgebung. Mineralogisches Museum der Universität Würzburg.
- Franz, M. & Bock, H. (2005): Buntsandstein. In: LGRB-Informationen 17, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg.
- Ortlam, D.: Paläoböden im Buntsandstein (dr-ortlam.de).
- Karneol. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
- Carnelian. In: CAMEO, Museum of Fine Arts Boston.